Wie investiere ich in Rohstoffe?

Wer auf dem Rohstoffmarkt investieren will, steht vor einem Berg von Herausforderungen: Es gibt nicht nur schier unendlich viele Rohstoffe, die dem Anleger zur Auswahl stehen, auch die Menge der Finanzprodukte ist groß. Es gibt unter anderem Optionsscheine, ETCs und andere Papiere. Wir helfen Ihnen, den Überblick zu behalten.

Wie setzen Anleger auf Rohstoffe?

Ein Investor, der den Rohstoffmarkt für sich erschließen möchte, sollte zunächst ein kostengünstiges Produkt wählen, bei dem das Risiko gut kalkulierbar ist: Der Future-Handel. Dieser kommt dem physischen Rohstoffhandel am nächsten. Terminbörsen sind relativ liquide, transparent und reguliert. Für den Einsteiger gibt es jedoch einige Hürden. Unter anderem gehören dazu vertragliche Spezifikationen.

Ein Anleger sollte sich außerdem mit der Terminologie des Rohstoffhandels vertraut machen. Ein Kontrakt Gold umfasst beispielsweise 100 Unzen, ein Silberkontrakt hingegen 5.000. Auch die amerikanischen Maßeinheiten – Pfund, Bushel, Sack oder Barrel – sollte ein Rohstoffinvestor kennen. Das gilt auch für die Tickgröße, also die kleinstmögliche Preisveränderung. Die Liefer- und Verfallstage sowie der letzte Handelstag für jedes Produkt muss der Anleger ebenso kennen wie tägliche Preislimits. Ein spezielles Future-Konto ist deshalb dringend erforderlich. Einige Rohstoffe werden an mehreren Börsenplätzen gehandelt, allerdings mit unterschiedlichen Kontrakteigenschaften. Für Rohstoff-Trader heißt es also: Augen auf!

Rohstoffhandel an der Börse

An den weltweiten Rohstoffbörsen werden Rohstoffe auf Termin gekauft und verkauft. Der Spotmarkt, bei dem sofort bezahlt und geliefert wird, spielt bei der Geldanlage kaum eine Rolle. Der Großteil der Rohstoffe ist für den Anleger sowieso nicht über den Spot-Markt zu erwerben. Ausnahmen sind die Edelmetalle Gold, Silber, Platin und Palladium. Die meisten Rohstoffe sind allerdings nur über Futurekontrakte handelbar.

Warum das so ist, liegt auf der Hand: Stellen Sie sich vor, Sie spekulieren auf steigende Preise bei Schweinebauchhälften. Würden Sie diese Ware über den Spot-Markt erwerben, so würde Ihnen die Ware tatsächlich auch physisch geliefert. Die Folgen wären hohe Transport- und Lagerkosten. Außerdem müssten Sie die Ware bis zu ihrem geplanten Verkauf behalten und natürlich in einem Kühlraum frisch halten. Für Privatanleger kommt deshalb nur das Termingeschäft infrage.

Das Termingeschäft

Ein Termingeschäft ist typisch für ein Rohstoffgeschäft, weil es – wie bereits erwähnt – dem physischen Rohstoffhandel am nächsten kommt. Aber wie funktioniert ein Termingeschäft? Ein Beispiel: Ein Getreidebauer möchte seinen Weizen verkaufen, dazu hat er zwei Möglichkeiten: Entweder kann er seine Ernte an einen Großhändler zu den aktuellen Tageskonditionen verkaufen, also zum Kassa-Preis, oder er schließt ein Termingeschäft ab und wettet damit auf den zukünftigen Preis – so wie ein Anleger. Ein Termingeschäft sollte der Bauer vor allem dann tätigen, wenn er befürchtet, dass der Weizenpreis bald fallen wird, zum Beispiel weil die Ernte besonders reichhaltig ausfallen könnte und das Angebot dadurch steigt.

Der Bauer kann versuchen, auf dem Terminmarkt ein Geschäft abzuschließen, um sich damit gegen den drohenden Preisverfall abzusichern. Sein Problem: Er muss einen Vertragspartner finden, der gleichzeitig auf steigende Preise spekuliert, das ist nicht besonders einfach. Nehmen wir an, die Suche ist erfolgreich und der Bauer einigt sich mit einem Käufer auf einen Preis von 200 Euro pro Tonne Weizen. Beide Vertragspartner verständigen sich außerdem darauf, dass der Lieferumfang 50 Tonnen betragen soll, der Liefer- und Zahlungstermin liegt ein halbes Jahr in der Zukunft.

Vor- und Nachteile des Termingeschäfts

Für beide Seiten, den Weizenbauer und den Käufer, bringt ein Termingeschäft Planungs- und Kalkulationssicherheit: Der Bauer hat nun die Gewissheit, dass er auf jeden Fall 50 Tonnen Weizen verkaufen wird zu einem festen Preis von 200 Euro pro Tonne. Und der Käufer weiß, dass er 50 Tonnen für je 200 Euro in sechs Monaten geliefert bekommt.

Allerdings bringt solch ein Termingeschäft gleichzeitig auch Unsicherheiten mit sich. Wetterbedingt könnte es überraschend zu einer großen Missernte kommen. Möglicherweise kann der Bauer dann den vereinbarten Lieferumfang von 50 Tonnen nicht einhalten, was dem Käufer sicherlich nicht gefallen dürfte. Für den Getreidebauern hingegen könnte die Gefahr bestehen, dass der Käufer zum vereinbarten Zahlungstermin nicht liquide genug ist. Möglicherweise muss der Bauer „seinem Geld hinterherlaufen“.

Das zentrale Risiko ist und bleibt aber der Preis – und damit das Termingeschäft selbst. Beträgt der tatsächliche Preis zum Lieferzeitpunkt nur 180 Euro, so wird sich der Käufer wohl ärgern, dass er „zu viel“ gezahlt hat, der Getreidebauer wird sich dagegen freuen, mehr zu bekommen. Achtung: Wie auch immer sich der Weizenpreis im Zeitraum zwischen Geschäft und Ernte entwickelt, der Preis des Termingeschäfts bleibt bestehen.

Geschäfte glattstellen: Long oder short?

Die große Zahl der Rohstoff-Investoren hat nicht die Absicht, die den einzelnen Geschäften zugrunde liegenden Basiswerte tatsächlich physisch zu beziehen oder zu liefern – welcher Privatanleger hat schon Platz für 50 Barrel Öl oder 200 Tonnen Weizen im Keller oder in seiner Garage? Rohstoff-Investoren wollen vielmehr von den kurzfristigen Preisbewegungen profitieren.

Selbst wenn eine physische Lieferung tatsächlich möglich wäre, ziehen es die meisten Anleger vor, offene Positionen vor deren Endfälligkeit, also vor der Lieferung, wieder glattzustellen. Das heißt sie kaufen oder verkaufen die Futureposition an der Börse und liquidieren damit ihre Kontrakte. Eine Glattstellung entbindet den Anleger von der Verpflichtung, eine Ware zu kaufen oder zu liefern.

Ein zweiter Vertrag wird abgeschlossen, der genau das Gegenteil des eigentlichen Kontrakts besagt; mit dem Ergebnis, dass sich die beiden Verträge aufheben. Eine offene Position wird entsprechend mit einem sogenannten Gegengeschäft ausgeglichen und so der finanzielle Erfolg realisiert.

Anleger können immer nur eine Position einnehmen: Long oder short. Ein Anleger geht long, wenn er an steigenden Kursen partizipieren will. Short geht, wer auf fallende Kurse setzt oder Wertpapiere verkauft, ohne diese zu besitzen (Leerverkauf). Beim Glattstellen neutralisieren Anleger diese Risiken, indem sie entweder die Position einfach verkaufen oder ein spiegelbildliches Gegengeschäft eingehen.

Das ist beim Rohstoffhandel zu beachten

Als Rohstoffinvestor sollten Sie den jeweiligen Kontrakt/Basiswert immer im Auge behalten. Achten Sie darauf, dass viele Rohstoffe rund um die Uhr gehandelt werden. Zeitangaben im Bereich von Rohstoffseiten und bei externen Rohstoffhandelsinformationen sollten Sie also immer im Blick haben. Achten Sie auf die jeweiligen Handelszeiten bei den Warenterminbörsen und für jeden Rohstoff. Verlieren Sie nie die Handelszeiten Ihres Brokers aus dem Fokus!

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