Was ist eine Börse?

In Zeiten von Niedrigzinsen wird die Börse mit ihren vielen verschiedenen Anlagemöglichkeiten immer wichtiger. Wer von seinem Geld profitieren und mehr als die 0,2 Prozent Zinsen für sein Geld auf dem Bankkonto bekommen will, der kommt um Aktien, Fonds & Co. nicht herum. Doch wie funktionieren Investments an der Börse? Was ist überhaupt eine Börse? Und warum ist es eigentlich wichtig, Geld an der Börse anzulegen?

Warum ist ein Börseninvestment wichtig?

Fast jeder hat ein Sparkonto auf der Bank. Die Bank bewahrt das gesparte Geld auf und darf im Gegenzug mit dem Geld „arbeiten“, also verschiedene Investments tätigen. Als Dank dafür, dass der Sparer sein Geld zur Verfügung stellt, erhält er Zinsen; das heißt sein Geld vermehrt sich, solange es auf der Bank liegt. In Niedrigzinsphasen wird das Geld auf der Bank aber nur scheinbar mehr.

Tatsächlich machen Sparer bei 0,2 Prozent Zinsen regelmäßig Verluste, denn die Inflation liegt höher. Der Wert des Geldes auf der Bank nimmt also schneller durch die Inflation ab als der Wert durch die Zinsen steigt. Eine Investition an der Börse ist deshalb eine wichtige Alternative. Die Chance, an der Börse über Aktien oder Fonds das Geld wirklich zu vermehren, ist vor allem in Zeiten von niedrigen Zinsen deshalb relativ groß.

Wie und wann entstanden die ersten Börsen?

Um zu verstehen, warum ein Investment an der Börse sinnvoll ist, ist es wichtig zu wissen, was eine Börse ist und wie sie entstanden ist. Als Wiege des modernen Börsen- und Aktienwesens gelten die Niederlande zur Kolonialzeit. In Amsterdam wurde 1613 die erste Börse moderner Prägung eröffnet. Ursprünglich waren Börsen eine Fortentwicklung der Warenmärkte, auf denen schon im Mittelalter Handel getrieben wurde. Von den heutigen Börsen waren diese „Handelsplätze“ noch weit entfernt. Erst in Amsterdam wurden unter anderem Anteilsscheine der Holländisch-Ostindischen Kompanie gehandelt, einer Schifffahrtsgesellschaft, die Überseehandel zum Beispiel mit Gewürzen trieb.

Schifffahrtsexpeditionen waren sehr risikoreich und teuer: Schiffe, Proviant und Seeleute mussten im Voraus bezahlt werden. Das Unternehmen suchte deshalb regelmäßig nach Geldgebern – und fand sie an der Börse. Geschäftsleute kauften für einen bestimmten Betrag Anteile am Unternehmen. Mit dem Geld finanzierte die Schifffahrtsgesellschaft die Expedition und garantierte dem Anteilseigner einen bestimmten Anteil des Gewinns.

Für den Durchbruch des Aktienwesens in den USA sorgte der Eisenbahnbau. Der Bau der Infastruktur auf dem riesigen Kontinent verschlang große Summen, die nur aufgebracht werden konnten durch die Ausgabe von Aktien – kleinere Vermögen wurden so zu einem großen gebündelt. Der erste Aktienindex der USA trug den Namen Dow Jones Railroad Average und wurde 1884 von Charles Dow veröffentlicht – unter den elf gelisteten Unternehmen waren neun Eisenbahngesellschaften.

In Deutschland hinkte das Aktienwesen der Entwicklung im übrigen Europa und in den USA hinterher. Erst 1682 wurde die erste Aktiengesellschaft vom Kurfürsten von Brandenburg gegründet: Die Handels-Compagnie war eine Handelsgesellschaft auf den Küsten von Guinea. Geldgeber erhielten für ihr investiertes Kapital ein Formular ausgehändigt, das die Höhe ihres Engagements bestätigte. Die erste Aktie war geboren.

Wie funktioniert eine Börse?

An den Börsen kamen und kommen auch heute noch Händler zusammen. Auf der einen Seite suchen dort Unternehmen nach Geldgebern und auf der anderen Seite suchen Anleger nach lohnenden Investments. Über Angebot und Nachfrage kommen sie an der Börse ins Geschäft. Eine Börse dient also der zeitlichen und örtlichen Konzentration des Handels unter beaufsichtigter Preisbildung. Anders als im sogenannten außerbörslichen Handel over the counter (OTC-Handel) wird börslicher Handel börsenaufsichtsrechtlich durch staatliche Aufsichtsämter – in Deutschland ist das die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) – sowie durch die Handelsüberwachungsstellen der Börsen kontrolliert.

Die klassische Form der Börse ist die Präsenzbörse oder der Parketthandel. Makler treffen sich dort und schließen nach Verhandlungen ihre Geschäfte ab. Das kann entweder im Eigenhandel oder im Auftrag der Kunden passieren. In der Frankfurter Börse ist der Parketthandel nahezu ausgestorben, seit es das elektronische Handelssystem Xetra gibt. Xetra ist eine Computerbörse, bei der ein Computerprogramm die Berechnungen und die Kommunikation zwischen Unternehmen und Investoren übernimmt. Anleger, Investoren und Makler machen Eingaben über Computermasken und das Computersystem wickelt den Handel ab. Die Kurse werden dann automatisch errechnet. Inzwischen wird der Hauptanteil des weltweiten Börsenumsatzes über computergestützte Börsen abgewickelt.

Wie bereits erwähnt, hat mit dem Aktienhandel die Geschichte der Börse begonnen. Heutzutage kann ein Investor aber nahezu alles an der Börse handeln. Es gibt sogar verschiedene Börsen, die sich auf bestimmte Anlagen spezialisiert haben. In Deutschland gibt es acht Wertpapierbörsen, eine Devisenbörse, eine Wertpapierterminbörse und eine Warenterminbörse.

Die wichtigste Börse in Deutschland ist die Frankfurter Wertpapierbörse (FWB). Unter den sieben anderen Wertpapierbörsen ist auch die Börse Stuttgart, die zweitgrößter Handelsplatz ist und sich auf den Handel mit Anleihen spezialisiert hat. An den Wertpapierbörsen in Hamburg und Hannover nimmt hingegen der Fondshandel eine bedeutende Stellung ein.

Ursprünglich stammt der Begriff Börse vom mittellateinischen „bursa“, was „Ledertasche, Geldsäckchen“ bedeutet. Die Bezeichnung der Börse als Treffpunkt für Händler entstand wohl zur Zeit des europäischen Frühkapitalismus im 16. Jahrhundert.

Was ist ein Leitindex und wie funktionieren Dow, DAX & Co.?

Ein Leitindex bildet die wichtigsten Börsengeschäfte ab. Jeder Anleger kann an der Entwicklung des Leitindex‘ die Gesamtstimmung am Markt ablesen und bekommt so eine Entscheidungshilfe für seine Investitionen. Der deutsche Leitindex ist der DAX (Deutscher Aktienindex). Diesen gibt es seit dem 1. Juli 1988. Im DAX sind die 30 wichtigsten Werte gelistet, also die 30 wichtigsten börsennotierten deutschen Unternehmen.

Fällt der Aktienkurs eines der 30 DAX-Unternehmen, so fällt auch der Kurs des DAX – sofern alle anderen Aktienkurse unbewegt bleiben. Anders als zum Beispiel beim US-amerikanischen Leitindex Dow Jones sind die Werte im DAX gewichtet. Fällt zum Beispiel der Kurs der Bayer-Aktie zwei Prozent, dann büßt der DAX mehr ein als wenn die Aktie von Infineon zwei Prozent verliert. Die Titel des Chemiekonzerns Bayer sind schwerer gewichtet als die Aktien des Chipherstellers Infineon. Je nach Menge der gehandelten Aktien, der Höhe des Aktienkurses und anderen Faktoren ist die Gewichtung der Unternehmen höher oder niedriger.

Warum ist es wichtig, an der Börse zu investieren?

In einer Niedrigzinsphase Geld auf der Bank anzulegen, kann hart sein für Sparer – und Verluste bringen, da die Inflation und der damit verbundene Wertverlust des Geldes durch die Zinsen auf das gesparte Geld meistens nicht ausgeglichen werden kann. An der Börse hingegen können größere Wertsteigerungen winken. Wer zum Beispiel Anfang des Jahres 2013 in Aktien eines DAX-Konzerns investiert hatte, der konnte sich zum Ende des Jahres fast zumeist über deutliche Kursgewinne im zweistelligen Prozentbereich freuen.

Und die Börse hält weitere Investmentmöglichkeiten offen. Risikoreicher sind beispielsweise Investments in Aktien der SDAX- und MDAX-Konzerne sowie in Anlage in Rohstoffe, ETFs oder Anleihen. Wer besonders mutig ist und große Verluste verschmerzen kann, der kann auch auf CFDs oder Zertifikate setzen. Aber Vorsicht: Totalverluste sind nicht ausgeschlossen, der Börsenhandel kann ahnungslose Investoren und Anfänger in den Ruin treiben.

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