Mieten vs. Kaufen – was lohnt sich mehr?

Eine Forsa-Umfrage belegt, dass 81 Prozent der Deutschen gerne in einem Eigenheim leben wollen. Man könnte daraus schließen, dass die meisten Deutschen daher den Hauskauf der Mietwohnung und dem Miethaus vorziehen würden. Tatsächlich ist dem jedoch nicht so. Mehr als die Hälfte aller Haushalte sogar leben in einem Mietsverhältnis. Damit ist der Anteil der Mieter in kaum einem anderen europäischen Land so hoch wie in Deutschland. Es scheint also doch einige Argumente zu geben, die für das Mietsverhältnis sprechen.

Der vermeintlich größte Vorteil des Hauskaufs ist gleichzeitig ein Pluspunkt für das Mietsverhältnis: Die Kosten. Viele Eigenheimbesitzer sagen sich, dass sie lieber eine monatliche Rate ins Eigenheim stecken, als regelmäßig Monatsmieten an einen Vermieter zu bezahlen. Allerdings ist bei genauer Betrachtung eine Immobilienfinanzierung zumeist etwa 20 bis 30 Prozent teurer als die Miete für ein vergleichbares Objekt. Dies ist vor allem den Nebenkosten geschuldet, die beim Hauskauf auf sie zukommen. Grunderwerbsteuer, Notargebühren und anderweitige Finanzierungskosten machen nämlich letztendlich gute 12 Prozent des Hauspreises aus. Sollte das Haus irgendwann wieder verkauft werden, sind diese Kosten verloren. Auch die monatlichen Nebenkosten für Strom, Wasser, Gas und Ähnliches sind bei einer Mietswohnung bedeutend geringer als in einem Haus.

Unbestreitbar jedoch ist das Eigenheim als Mittel zur Altersvorsorge. Ob man nun seinen Lebensabend sicher in den eigenen vier Wänden verbringen möchte, oder eine Immobilie als Geldanlage für die Rente ersteht - beides kann als zweites Standbein neben der gesetzlichen Rente hilfreich sein.

Wo das schlagkräftige Argument fürs Eigenheim „Sicherheit“ heißt, lautet das Argument für die Mietswohnung „Flexibilität“. Darauf legen viele Menschen gesteigerten Wert – Tendenz steigend. Gerade wer sich in Zukunft beruflich verändern möchte und dafür in Erwägung zieht notfalls den Wohnort zu wechseln, ist mit einem Mietsverhältnis auf der sicheren Seite. Besonders junge Menschen wissen die Unabhängigkeit, die ihnen eine Mietswohnung in Sachen Wohnort und Lage lässt, zu schätzen. Auf der anderen Seite muss ein Eigenheim in der heutigen Zeit nicht mehr zwangsläufig eine Entscheidung fürs ganze Leben sein. Wichtig ist nur ein solider Finanzierungsplan, der sich den Wünschen und Zukunftsplänen der Käufer anpassen kann. In diesem Fall kann man auch beim Hauskauf ein gewisses Maß an Flexibilität für sich erhalten.

Während der Mieter ferner nur ein Mindestmaß an Verantwortung für die Pflege und Instandhaltung der Immobilie trägt, ist der Eigenheimbesitzer sein eigener Chef. Das heißt die Instand- und damit auch die Werterhaltung des Gebäudes liegt in seinen eigenen Händen. Jedoch wissen Hausbesitzer in der Regel gerade ihre Entscheidungs- und Gestaltungsfreiheit im Eigenheim zu schätzen. Der Anstrich des Hauses, die Beschaffenheit der Heizung, der Garten, die Fußböden – all dies untersteht allein der Entscheidungsgewalt des Hausbesitzers ganz im Sinne der Redewendung „my home is my castle“.

Wenn wir uns die Frage Mieten oder Kaufen im Hinblick auf Rendite und Sparmöglichkeiten stellen, erhalten wir wiederum ein gespaltenes Ergebnis. Im ersten Augenblick neigt man dazu dem Hauskäufer bessere Karten in Sachen Rendite und Vermögensschaffung zuzutrauen. Dies muss jedoch nicht unbedingt so sein. Erst wenn wir von einer Wertsteigerung von etwa zwei Prozent im Jahr ausgehen, würde der Hauskäufer das Rennen machen. Mit der geringeren monatlichen Belastung gegenüber dem Eigenheimbesitzer, könnte der Mieter jedoch ebenfalls einiges sparen. Dies allerdings ist abhängig von der Disziplin des jeweiligen Mieters. Der Hauskäufer hingegen muss sich an den vereinbarten Finanzierungsplan halten.

Letzten Endes bleibt es wohl eine Typfrage, ob Sie lieber mieten oder kaufen möchten. Wenn Sie Familienzuwachs in der Zukunft nicht ausschließen, einen gesicherten Arbeitsplatz haben, den Sie auch auf lange Sicht behalten möchten und dauerhaft an einem Ort wohnen möchten, entsprechen Sie zu großen Teilen dem Bild des Eigenheimkäufers. Legen Sie Wert auf Flexibilität und planen in der Zukunft berufliche Veränderungen, die auch mit einem Wohnortwechsel einhergehen können, wären Sie eher der traditionelle Mieter. Tatsache ist, dass in der heutigen Zeit wohl keine Entscheidung für die Ewigkeit sein muss. In jedem Falle jedoch, sollten Sie die Argumente für oder gegen das Kaufen oder Mieten sorgfältig prüfen und vor allem die finanzielle Seite genau kalkulieren.

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