Investieren in Kunst – Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung

Wie findet man lohnenswerte Kunstinvestments? Wer steht angehenden Investoren bei der Auswahl von Objekten zur Seite? Wie kauft man ein Objekt und wie bewahrt man es auf? Der folgende Text klärt eine Reihe von Fragen, die im Zusammenhang mit Kunstinvestments immer wieder anfallen.
  • 1. Investitionsrahmen und Interessensgebiete abstecken

  • Wie bei jeder Art von finanziellem Engagement muss man sich im Vorfeld Gedanken darüber machen, wie hoch das Investment ausfallen soll und welches Risiko man bereit ist, einzugehen. Je nach Investitionshöhe und Risikobereitschaft entscheidet sich auch, ob man im Hochpreissegment aktiv werden möchte, oder das Risiko durch den Kauf verschiedener kleinerer Kunstwerke streuen möchte. Anleger sollten daher im Vorfeld bereits die elementaren Fragen des Investments geklärt haben, um bei der späteren Auswahl Zeit zu sparen und sich gezielt im Wunschbereich informieren zu können. So bestimmt der Investitionsrahmen auch das Interessensgebiet mit. Will und kann man keine Millionen investieren, fallen Werke klassischer Künstler durchs Raster. Im Bereich oberhalb von 20 bis 30 Tausend bleiben noch etablierte moderne Künstler. Anleger mit kleinerem Budget können sich im Bereich kleinerer Druckgraphiken, Fotos, Skulpturen, etc. umschauen.
  • 2. Informieren, informieren, informieren.

  • Hat man die Fragen rund um den eigenen Investitionsrahmen und die Risikobereitschaft geklärt, geht es daran, den Markt zu sondieren. Anleger, die auf dem Kunstmarkt tätig werden sollen, kommen um eines nicht herum: Sich ein eigenes Bild über die Gegebenheiten des Marktes zu verschaffen. Nur so bekommt man einen Einblick in die Gegebenheiten und Besonderheiten der Kunstbranche und gewinnt ein Gespür für aktuelle Trends und Strömungen. Der Besuch von Galerien und Ausstellungen, der Austausch mit anderen Interessenten in Internetforen oder auf Kunstveranstaltungen ist unerlässlich, wenn man den Kunstmarkt mit seinen Feinheiten kennenlernen will.
  • 3. Künstler kennenlernen

  • Sobald sich ein künftiger Investor im Kunstbereich sich näher mit den Marktgegebenheiten vertraut gemacht hat, kann er sich den wichtigsten Akteuren des Kunstmarktes zuzuwenden: Den Künstlern. Je nach Investitionsrahmen kommen dabei etablierte, klassische Künstler in Frage, über deren Leben, Schaffen und Werk in der Regel sehr viel bekannt ist. Diese Künstler sind insbesondere bei Sammlern sehr beliebt, was ihre Werke preislich schwer einschätzbar macht – schließlich zahlen Liebhaber Preise, die deutlich oberhalb der zu erwartenden Marktspanne anzusetzen sind. Für Anleger mit überschaubarem Investitionsrahmen kommen eher junge, zeitgenössische Künstler in Frage – idealerweise bevor andere Marktteilnehmer deren Potenzial erkannt und sie als Investitionschance entdeckt haben. Solche Geheimtipps sind aber nur schwer zu finden, selbst Marktprofis haben in dieser Hinsicht mehr Fehlschläge als Erfolge zu verbuchen. Zu subjektiv ist das Empfinden von Kunstliebhabern, zudem spielen aktuelle Marktentwicklungen und auch die Vermarktung des Künstlers – etwa durch Galerien – eine große Rolle. Geheimtipps finden mutige Investoren daher am ehesten in den Kunsthochschulen. Allerdings ist das Risiko, sein Kapital in den Sand zu setzen, nicht unerheblich. Erste Anlaufstelle bleiben daher Ausstellungen und Galerien.
  • 4. Werke mit Renditechancen erkennen

  • Findet man ein Kunstwerk, in das man investieren will, sollte man sich mit dem Künstler im Hinblick auf Renditegesichtspunkte auseinandersetzen und sich Fragen stellen wie: Hat der Künstler bereits eine Galerie? Wie erfolgreich arbeitet diese Galerie bei der Vermarktung ihrer Künstler? Gab es bereits Ausstellungen, wenn ja wo (national oder international)? Trifft der Stil des Künstlers (neben der persönlichen Vorliebe) aktuelle Markttrends? Wie viele Werke produziert der Künstler – handelt es sich um Akkordarbeit oder sind seine Werke rar? Wie ist die Nachfrage nach Werken des Künstlers, hat er bereits eine gewissen Popularität erlangt? Die Beantwortung dieser Fragen kann einem Anleger bei der Entscheidung für oder gegen ein Investment weiterhelfen. Ein klassisches Einsteigersegment in den Kunstmarkt ist Fotokunst. Hat man Interesse an dieser Art von Kunst, ist es wichtig, dass das Foto eine niedrige Auflage hat. Gerade für Markteinsteiger eignet sich der Branchenzweig, da Foto-Werke erschwinglicher sind als Skulpturen oder Gemälde. Darüber hinaus liegt diese Kunstart vielen Einsteigern näher als Bildhauerei und Malerei – in Zeiten von Smartphones ist das Alltagsfotografieren von nahezu jedem bereits praktiziert worden, man kann also die Bemühungen hinter einem künstlerisch wertvollen Foto eher nachvollziehen. Bei Gemälden sollten künftige Anleger auf Experten wie Galeristen vertrauen, sofern sie sich nicht für unbekannte, aufstrebende Künstler ohne Galerie-Unterstützung entschieden haben. Galerien nehmen die Werke eines Künstlers ins Werksverzeichnis auf, was deren Echtheit garantiert.Bei Interesse an einem Bild sollte man unbedingt Experten zur Schätzung heranziehen. Der Wertverlust bei beschädigten oder falsch restaurierten Bildern kann enorm sein. Darüber hinaus unterscheiden sich auch Werke ein und desselben Künstlers hinsichtlich ihrer Qualität und Aktualität. Auch dies sollte beim möglichen Kauf Beachtung finden. Nicht zuletzt entscheidet bei der Frage nach einem Investment auch der persönliche Geschmack. Was der eine als Kunst bezeichnet, gilt dem anderen als Kitsch. Nicht immer ist das, was die breite Masse nachfragt auch das, was Anleger sich ins Wohnzimmer stellen oder hängen möchten. Daher ist es sinnvoll, nicht nur aus Renditegründen einen Kunstkauf zu tätigen, sondern auch das Bauchgefühl zu Wort kommen zu lassen. Schließlich ist die Entscheidung für ein solches Investment in der Regel keine kurzfristige - der Anlagehorizont ist bei mindestens 10 Jahren anzusetzen.
  • 5. Preise einschätzen

  • Für Neulinge auf dem Kunstmarkt ist es sehr schwer, die Preise für ein Werk adäquat beurteilen zu können. Auch Experten tun sich mit der Einschätzung eines Wertes schwer, spätestens wenn Sammler in den Markt eingreifen, sind Liebhaberpreise jenseits aller vernünftigen Markterwartungen. Für Anleger mit begrenztem Investitionsrahmen gibt es aber ein paar Anhaltspunkte, die bei der Preisbeurteilung helfen können. Eine branchenübliche Formel, die insbesondere bei jungen, zeitgenössischen Künstler angewandt wird, lautet: Die Summe aus Breite und Länge eines Bildes in Zentimetern mal Faktor 10. (L+B)*10. Die Größe eines Kunstwerkes bestimmt also dessen Preis. Künstler, die bereits erste Erfolge verzeichnen konnten – etwa durch eigene Ausstellungen – bekommen einen höheren Multiplikationsfaktor. Neu-Anleger können sich so ein ungefähres Bild von der Zusammensetzung des Preises machen. Je erfolgreicher ein Künstler ist, desto obsoleter wird die Formel – je teurer ein Kunstwerk ist, desto erfolgreicher sollte der Künstler also sein. Dies im Vorfeld eines Investments zu recherchieren, ist Aufgabe des Anlegers.
  • 6. Auf Extra- und laufende Kosten achten

  • Neben dem eigentlichen Kaufpreis kommen auf den Käufer eines Kunstwerkes noch zusätzliche Kosten hinzu, die einkalkuliert werden müssen. Ist eine Galerie beim Kauf beteiligt, lässt sich diese dafür eine Provision zahlen. Je nachdem, wie teuer das gewünschte Objekt ist, steigt die Provision überproportional zum Preis. Auch die Vermittlung eines Kunstwerkes durch einen Experten kostet Geld, kann die Auswahl eines Investments aber erleichtern. Wer Kunstwerke tatsächlich zu Hause oder in Bürogebäuden lagern will, muss sich darüber hinaus Gedanken über eine Kunstversicherung machen. Diese kann – je nach Wert des Kunstwerkes – bis zu mehreren tausend Euro kosten. Eine alternative Lagerung bei einer Galerie verursacht ebenfalls Kosten.
  • 7. Geduld, Geduld, Geduld

  • Bei aller Zeit, die im Vorfeld eines Kunstinvestments investiert werden muss, versteht sich eigentlich von selbst, dass es bei Kunstkäufen nicht darum geht, kurzfristig Geld anzulegen oder zu parken. Die Wertsteigerung von Kunstobjekten erfolgt nach Jahren, oftmals nach Jahrzehnten, viele klassische Künstler haben den eigenen Erfolg zu Lebzeiten nicht mehr miterlebt. Entsprechend definiert sich auch der Anlagehorizont: Bis zu zehn Jahre sollte man auf sein Geld schon verzichten können.
  • 8. Verluste einkalkulieren

  • Kunstanlagen sind kein Selbstläufer, Wertsteigerungen nicht vorprogrammiert. Dessen sollten sich Anleger im Vorfeld auf jeden Fall bewusst sein. Gerade das Investieren in nicht-etablierte Künstler birgt das Risiko, dass diese keinen dauerhaften Erfolg auf dem Kunstmarkt haben könnten. Vor diesem Hintergrund empfiehlt es sich dringend, sein Risiko zu streuen – und sich der Möglichkeit von Verlusten bewusst zu sein. Schließlich kann der Verkauf eines Kunstwerkes nur in die Wege geleitet werden, wenn es auch einen Käufer gibt. Je geringer die Nachfrage, desto niedriger der Preis. Experten raten daher nicht unbedingt zu Investitionen in Kunst – zumindest nicht als Form der Geldanlage. Wer allerdings das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden, sein Geld aus Ästhetikgründen in den Markt investieren will, wer darüber hinaus dem eventuell verlorenen Geld am Ende nicht nachtrauert und wer vor Allem viel Zeit und Geduld mitbringt, für den kann sich ein Investment in Kunst durchaus auszahlen.

INVESTIEREN IN KUNST

Über welchen Bereich rund um das Thema Kunst wollen Sie mehr lernen?

INVESTIEREN IN LUXUS

Über welchen Bereich rund um das Thema Luxus wollen Sie mehr lernen?