Szenario:
Angestellter in einer Galerie will in Kunst investieren

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Ein Angestellter einer Städtischen Galerie hat viel mit Künstlern und ihren Werken zu tun. Bei Ausstellungen an seinem Arbeitsplatz betreut er die ausstellenden Künstler und sorgt für den reibungslosen Ablauf der Büroorganisation.
Sein Arbeitsplatz war eine bewusste Wahl – er interessiert sich für Kunstwerke im Allgemeinen und bildende Kunst im Besonderen. Für ihn stellt sich die Frage, wie er – im Rahmen seiner finanziellen Möglichkeiten – am Kunstmarkt partizipieren kann. Er hat bereits ein Objekt im Auge – die Arbeiten eines jungen Künstlers aus seiner Nachbarschaft, der soeben wegen einer möglichen Ausstellung Kontakt zur Galerie aufgenommen hat.
Der Angestellte sucht einen Anlageberater auf, der zunächst eine Analyse der Rahmendaten erstellt.

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Die private Situation:

Der Angestellte einer Städtischen Galerie lebt als Single in einer Zwei-Zimmer-Wohnung, die er gemietet hat. In der Wohnung spiegelt sich das Kunstinteresse des Mieters wieder – mit Hilfe angesparter Mittel hat er Kunstdrucke und einige Originale befreundeter Künstler erworben und hat damit einen Teil der Wohnung dekoriert. Hochwertige Einrichtungsgegenstände gibt es darüber hinaus nicht in seinem Haushalt. Er nutzt die öffentlichen Verkehrsmittel, ein Auto besitzt er nicht.
Seine Arbeitsstelle als Bürokraft ist in Vollzeit. In seiner Freizeit besucht er häufig Ausstellungen und Messen. Sein Einkommen als Angestellter in der Städtischen Galerie sichert sein Auskommen. Er kann seine monatlichen Ausgaben bestreiten, darüber hinaus für die Altersvorsorge sparen und noch einen kleinen Betrag für Investitionen zurücklegen. Das Sparguthaben ist nach dem jüngsten Erwerb eines Kunstdruckes aufgebraucht.
Eine größere Mittelzuwendung – etwa in Form eines Erbes – hat er in nächster Zukunft nicht zu erwarten.

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Investmentvorlieben:

Die Liebe des Angestellten gilt der Kunst. Nachdem er im Rahmen seiner Arbeitsstelle einen jungen Künstler aus seiner Nachbarschaft kennengelernt hat, dessen Arbeiten ihn begeistern, möchte er gern direkt in dessen Kunst investieren. Noch hat der Künstler keine Ausstellungserfolge vorzuweisen, der geneigte Investor rechnet aber damit, in ihm einen Rohdiamanten entdeckt zu haben, dessen Arbeiten in den nächsten Jahren noch große Erfolge feiern werden. Im Vertrauen auf die zukünftige Wertentwicklung hat er zwei Kunstwerke des Künstlers ins Auge gefasst, die er für jeweils 3.000 Euro erwerben will.
Bislang hat er bereits einige Male bei Kunstdrucken und auch Gemälden befreundeter Künstler zugegriffen, wobei er bei jedem Kauf mehrere hundert Euro investiert hat. Über die Wertentwicklung der bisherigen Investitionen hat er keine Recherchen angestellt, da er vorhat, die Kunstwerke längerfristig zu behalten.

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Der Rat des Anlageberaters:

Nach der Analyse der privaten und finanziellen Hintergrundsituation rät der Anlageberater dem Kunstliebhaber grundsätzlich von einem physischen Investment ab. Der Erwerb der Kunstwerke wäre in diesem Fall Luxus – Geld für überflüssige Ausgaben hat er im Rahmen seines Einkommens als Angestellter und ohne Sparguthaben aber nicht zur Verfügung. Der Experte rät ihm klar dazu, einen Teil seines (ohnehin geringen) Sparbetrags in verbriefter Form in Kunst zu investieren, um nicht gänzlich auf eine finanzielle Beteiligung in diesem Bereich verzichten zu müssen.
Konkret bieten sich in seinem Fall Kunstfonds oder –zertifikate an, mit denen er am Markt partizipieren kann, ohne aber das alleinige Investmentrisiko zu tragen. Er würde diesseits das Prinzip der Streuung einhalten, statt sein Geld einzig und allein vom Erfolg eines einzelnen Produktes abhängig zu machen.
Kunstfonds oder -zertifikate bieten sich für kleines Investitionsbudget an, allerdings wird der Angestellte mit diesen nicht an der Wertentwicklung des Künstlers teilhaben können, für dessen Arbeiten er besonderes Interesse zeigt. Er bittet den Anlageberater daher explizit, dieser Tatsache in seiner Analyse Rechnung zu tragen. Immerhin kennt er den Markt gut und hat in der Vergangenheit bereits häufiger Erfolg oder Misserfolg von Künstlern, Kunstrichtungen und Kunststilen miterlebt.
Der Experte nennt dem angehenden Investor daher weitere Anlageoptionen, weist aber explizit auf die Risiken hin, die eine Investition in nicht-verbriefte Anlagen der Asset-Klasse Luxus bedeuten würde. Ein Sparplan, mit dessen Hilfe er mittelfristig genug Geld ansparen könnte, um sein Investitionsziel zu erreichen, wäre in diesem speziellen Fall obsolet – schließlich könnte zwischenzeitlich ein anderer Kunstinteressent die Kunstwerke oder Kunstdrucke, die er ins Auge gefasst hat, erwerben. Oder der Preis der Kunst könnte so steigen, dass der Sparplan mittelfristig nicht zum gewünschten Erfolg führt. Auch einen Kredit bei der Bank schließt er aufgrund seiner finanziellen Situation aus.
Was ihm bliebe, wäre eine Interessensgemeinschaft. Gemeinsam mit Gleichgesinnten könnte der Angestellte einen Teil der beiden Kunstwerke erwerben – vorausgesetzt es finden sich Interessenten. In diesem Fall wäre er aber nicht der alleinige Besitzer – wer der Beteiligten sich wann und wie lange an dem Kunstwerk erfreuen und es in seiner Wohnung behalten darf oder aber ob das Investitionsobjekt sicher aufbewahrt wird (was weitere Kosten nach sich ziehen würde), wäre dann ein Abkommen zwischen allen Investitionsbeteiligten. Auch eine mögliche Wertsteigerung der Bilder wäre dann zu teilen. Dies gilt allerdings zeitgleich auch für das Risiko – sollte der Künstler am Markt keine Interessenten finden und seine Werke im Wert stagnieren oder fallen, wäre auch sein Investitionsrisiko minimiert.

Fazit des Anlageberaters

Zusammenfassend rät der Anlageberater dem Angestellten aufgrund seines finanziellen Backgrounds von einem physischen Investment ab. Sollte er unter allen Umständen in die Werke des Künstlers investieren wollen, dann kann er dies allenfalls als Teilhaber tun, es sei denn er erreicht mit Hilfe eines Sparplans, der voraussichtlich auf mehrere Jahre angelegt ist, sein Ziel. Da es bei Kunstinvestments aber oft um den richtigen Riecher zur richtigen Zeit geht, sind seine Chancen, die beiden Kunstwerke ohne zusätzlichen Mittelzufluss in seinen Besitz zu bringen, mehr als gering. Er sollte daher verbriefte Kunstanlagen - etwa in Fonds, Aktien von Auktionshäusern oder Zertifikate - in Erwägung ziehen.
Oder er überzeugt seinen Arbeitgeber, die Städtische Galerie, von den Vorzügen und Zukunftsaussichten des jungen Künstlers aus der Nachbarschaft. Kann er die Kunstexperten überzeugen, hat der Künstler nicht nur einen Investor sondern zeitgleich auch einen Förderer gefunden, der ihn möglicherweise im Rahmen einer Ausstellung einem breiteren Publikum zugänglich macht. Und der Kunstliebhaber könnte sich an den Werken des Künstlers - wenigstens im Rahmen seiner Arbeitszeit - erfreuen.

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