Geldanlage Wein – So finden Sie den richtigen Tropfen

Eines vorab: Den Gang in den gut sortierten Supermarkt zum Weinregal kann man sich sparen. Zumindest dann, wenn man auf Wertsteigerungen hofft. Weine, die in Massen in den Regalen der Supermärkte stehen, werden durch jahrelange Lagerung nicht besser – im Gegenteil. Sie sind dafür gedacht, sofort verzehrt zu werden, ihr Geschmackspotenzial ist ausgeschöpft, ein Wertanstieg (nahezu) ausgeschlossen.
Echte Weininvestoren legen ihr Geld in Weine an, die zum Kaufzeitpunkt noch Luft nach oben haben – bei der Geschmacksentwicklung. Weine, die ihr Potenzial erst entfalten müssen und durch gute Lagerung nur an Qualität gewinnen, eignen sich auch als Geldanlage. Handelt es sich darüber hinaus noch um eine Rarität, einen Wein also, der nicht in Massen seinen Weg auf den Markt gefunden hat, kann man sich schon bald über einen Wertanstieg freuen.

Doch wie findet man nun die edlen Tropfen, die ein Investment wert sind? Antwort: Als Laie vermutlich gar nicht. Wer auf gut Glück Weine aus der Top-Region Bordeaux kauft, kann zwar einen Glücksgriff machen, wahrscheinlich ist dies jedoch nicht. Auch Investoren, die sich für Weinkenner halten und von sich behaupten, einen guten von einem schlechten Wein am Geschmack unterscheiden zu können, werden bei Wein als Investmentgut vermutlich nicht unbedingt besser abschneiden als passionierte Biertrinker.

Anleger, die sich dem Thema Wein als Investment nähern wollen, benötigen also Hilfe von Experten.

Zunächst empfiehlt sich dabei Rat aus Fachzeitschriften. Neben allgemeinen Informationen über den aktuellen Weinmarkt, Topseller des Jahres und der Vorstellung von Weinregionen und Winzern bekommen Interessenten dort auch wichtige Anlagehinweise. Welche Weingüter können in den vergangenen Jahren eine positive Preisentwicklung ihrer Weine vorweisen? Welche Newcomer haben sich auf dem Markt behauptet, welche sind die Regionen, die kontinuierlich Top-Weine produzieren? Ein Blick in Fachzeitschriften lohnt sich also, um sich einen Überblick über den Markt zu verschaffen und in das Thema „Wein als Geldanlage“ einzusteigen.

Wie Weinprofis spezielle Tropfen bewerten, kann ebenfalls einen Hinweis darauf geben, ob sich ein spezieller Wein als Investment eignet. Auf dem Weinmarkt hat sich die Bewertungsskala von Parker durchgesetzt. Der berühmteste Weinkritiker der Welt, Robert M. Parker, kann mit seinem Urteil zu einem Wein über Wohl und Wehe des gesamten Weingutes entscheiden. Als Herausgeber von „The Wine Advocate“ bewertet er Rebensäfte auf einer Skala zwischen 50 und 100 Punkten. Weine, die 95 und mehr Punkte erhalten, sind quasi geadelt – der Verkauf zieht an und auch das Interesse vieler Investoren ist geweckt. Wertsteigerungen sind zwar nicht vorprogrammiert, aber deutlich wahrscheinlicher als bei Weinen, die von Parker mit weniger Punkten bewertet werden.Der Einfluss des „Weinpapstes“, wie er auch genannt wird, ist aber gerade unter Experten umstritten. Nichtsdestotrotz geben sie einen Hinweis darauf, ob ein Wein als lohnenswertes Investment ins Auge gefasst werden oder lieber mit guten Freunden gemütlich geteilt werden sollte.

Interessenten auf der Suche nach einem lohnenswerten Investment sollten auch Weinverkostungen ins Auge fassen. Zwar geht es dabei primär um den Geschmack eines Weins, allerdings lassen sich Profis beim Verkosten auch Informationen entlocken, wie lange das verkostete Produkt noch gelagert werden kann und ob es dabei noch sein Potenzial entfalten kann. Wird einem Wein eine Lagerungsfähigkeit über mehrere Jahre, gar Jahrzehnte attestiert, kann man davon ausgehen, dass er sein volles Aroma und damit auch sein vollständiges Wertsteigerungspotenzial noch nicht erreicht hat.

Eine weitere ergiebige Informationsquelle finden potenzielle Weinanleger auch an der Weinbörse Liv-ex. Wie an einer Aktienbörse können Anleger hier die Wertentwicklung von Weinen nachvollziehen. Die 1999 gegründete London International Vintners Exchange ermöglicht einen Überblick über aktuelle Kauf- und Verkaufsaktivitäten. Die Weinindizes Liv-Ex 50 und Liv-Ex 100, die auf täglicher beziehungsweise monatlicher Basis die Preisentwicklung der meistgehandelten Weine abbilden, sind dabei für Investoren ein unverzichtbarer Informationspool.

Welche Weine sind geeignete Investments?

Diese Frage ist aus Investmentsicht leicht zu beantworten: Qualitativ hochwerte (Rot-)Weine, die trotz Lagerung noch Potenzial haben und nach denen aufgrund eines geringen Angebotes eine hohe Nachfrage besteht. So weit so gut, doch diese seltenen edlen Tröpfchen erkennen selbst Experten nicht in jedem Fall und hat man doch ein solches bombensicheres Investment ausgemacht, ist dieses für den (Klein-)Anleger nicht erschwinglich.

Eins vorweg: Allein ein hoher Preis lässt nicht auf Wertsteigerungspotenzial schließen. Viele andere Faktoren spielen eine Rolle. Primäres Auswahlkriterium bei der Suche nach einem guten Weininvestment sollte die Region sein, aus der der Wein stammt. Seit Jahren das Maß aller Dinge ist das berühmte südwestfranzösische Anbaugebiet Bordeaux. Weine aus den Weingütern dieser Region gehören seit Jahrhunderten zu den qualitativ hochwertigsten edlen Tropfen, die Investoren teils deutliche Wertzuwächse beschert haben.
Wenn es der finanzielle Handlungsrahmen zulässt, sollte man Kisten statt einzelne Flaschen kaufen. Der Wiederverkaufswert ist größer, als bei einzelnen Abfüllungen. Auch bieten sich aus Gründen des Qualitätserhalts große Flaschen eher an als kleine.

Hat man vor, den Wein nicht nur als Geld- sondern auch als Genussanlage zu sehen, will man den edlen Tropfen also selber trinken, mindert man sein Gewinnsteigerungspotenzial ebenfalls – nicht komplett gefüllte Kisten werden im Wert weniger steigen, als komplette.

Renommierte Weingüter, die bereits in der Vergangenheit mehrfach Auszeichnungen erhalten haben, sind aus Anlegersicht besonders interessant. Vielfach produzieren diese Weingüter Weine schon vorab in limitierter Menge, so dass das Angebot künstlich verknappt wird. Allerdings sind derart begrenzt vorhandene Weine bereits ab Kauf sehr teuer. Ob und wie viel Wertsteigerungspotenzial dort noch zu erzielen ist, steht in den Sternen.
Vielen Interessenten aus China und dem Westen sind derartige Renditeüberlegungen aber fremd. Ein qualitativ hochwertiger Wein bedeutet Prestige – viele Neureiche lassen sich dies einiges kosten. Das wirkt sich auf die Preisentwicklung und die Nachfrage positiv aus.

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